LUTs für Komlementärfarben, Goethe versus RGB Farbkreis und Newton, Kunst versus Physik

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  • Grob gesagt, sind Komplementärfarben ein Farbenpaar, welches sich nicht schwächt, sondern wo die Farben am intensivsten leuchten. In einem Farbkreis, welcher das ganze Farbspektrum wiedergibt, befinden sich die Komplementärfarben immer genau gegenüber. Leider gibt es seit Goethe und Newton einen Streit, welcher Farbkreis denn für unsere Kunst nun der Richtige ist. Beim RGB Farbkreis (Newton), den wir von der Bildbearbeitung her kennen, löschen sich Komplementärfarben gegenseitig aus, ihre Mischung ergibt also Grau.


    Goethe, später Johannes Itten, haben einen Farbkreis entwickelt, der künstlerisch gefälligere Farbharmonien zeigt. Die Komplementärfarben löschen sich nicht exact aus - wir empfinden sie aber als harmonischer, während mir die Farbharmonien des RGB Farbkreises schreiender, agressiver vorkommen. So glaube ich, dass Leute aus der Webebranche und auch Grafik Designer die RGB Farbharmonien benutzen. Leute aus der Beauty- und Fashionindustrie hingegen, Künstler und Maler, benutzen die Goethe Farbharmonien.


    Ich würde so argumentieren: bei den Farbharmonien geht es doch nicht um das Thema Farbmischungen, also nicht um das rein technisch- physaikalisch exacte Auslöschen der gegenüberliegenden Farben, es geht doch vielmehr darum, wie die Farben NEBENEINANDER auf uns wirken. Also nicht Farben durcheinander gemischt - sondern Farbwirkung von Farben, die in einem Bild benachbart sind, oder miteinander kommunizieren. Ich mag die Goethe Harmonien, und würde fast wünschen, dass diese auch mehr in die Bildbearbeitungsprogramme eingehen könnten. Zum Beispiel einen HSL Schieber, der den Goethe Farbkreis benutzt, (Rot=0Grad, Orange=60Grad, Gelb=120Grad, Grün=180 Grad, Blau=240Grad, Violet=300Grad, Magenta=330Grad). Damit könnte man ein Bild mit bearbeiteten Goethe Harmonien durch den Farbkreis schicken - ohne dass es diese Harmonien durch einen RGB Kreis zerbröselt werden usw :)


    Farb-Gurus, wie Natalia Taffarel, lehren die Bildbearbeiter unbedingt die Goethe Harmonien - Markus Wägner, der von Grafik Desingn her kommt und vieles über Faben veröffentlicht hat, findet den Goethe Farbkreis hingegen beliebig - und nur den RGB Farbkreis physikalisch begründet. Und diesen Streit gibt es nun schon seit Goethe-Newton.


    Ich habe hier mal für euch mal LUTs erstellt, mit Komplementärfarben. Diese habe ich aber nicht Tonwerten zugeordnet (sogenanntes Split Toning, oder Verlaufsumsetzung, das mache ich später mal) - sondern ich habe den zwei Komplementärfarben alle anderen Farben zugeordnet. Klar, wie soll man die Farben nun zurodnen? Ich habe mich nach ähnlichen, benachbarten Farben gerichtet und einem Beispielbild. Natürlich gibt es nun zich andere Möglichkeiten, Tonwerte und Farben den zwei Komplementärfarben zuzuordnen. Ich bin hier nach Wahrscheinlichkeit gegangen, und einem konkreten Beispiel - aber das wird nicht für ALLES passen. Es gilt also, wie bei allen LUTs: ausprobieren. Und: auch wenn es bei Intensitätsregler auf Anschlag mal nicht passt: manchmal ist ein sehr gering eingestellter Intensitätesregler die Magie!


    Daher braucht ein LUT Programm weitere sinnvolle Regler: um ein LUT auf das jeweilige Bild anzupassen, um es einzuarbeiten.


    In diesem Abschnitt könnt ihr die LUTs herunterladen - und das Bild unten ist das Originalbild, welches ich im zweiten Abschnitt durch alle LUTs schicke - jeweils 5 mit Goethe Farbkreis, und 5 mit RGB Farbkreis, den Intensitätsregler auf höchstem Anschlag. So arbeitet man in der Praxis nicht - aber ihr könnt hier schön ein praktisches Beispiel sehen: Goethe Harmonien versus RGB Farbharmonien.


    Ein Tip: mit der Farbbalance könnt ihr noch das Gleichgewicht zwischen den zwei Farben beeinflussen. In den Beispielen habe ich auch die Farbgewichtungen abgestimmt, sowie Kontraste, das ist immer wichtig.


    Im dritten Abschnitt bearbeite ich 5 Bilder mit den Goethe LUTs - im vierten Abschnitt 5 Bilder mit den RGB Farbharmonieen. Dabei sind die Bilder beliebig, ohne Rücksicht darauf, ob die LUTs zum Motiv passen. Hier habe ich dann intensiv die REGLER von LUT#1 bedient, um die LUTs einzuarbeiten.


    Hier der Link zu dern LUTs:

    projectsforum.de/neu/filebase/index.php?file/218/


    Unten das Originalbild für den nächsten Abschnitt.

  • So - und hier das obige Bild, durch alle LUTS der Komplementärfarben geschickt. Intensitätsregler auf Anschlag.


    Vergleicht mal, ob es für euch Unterschiede gibt, zu den zwei "Farb-Auffassungen". - Allerdings habe ich hier schon sehr Farbgewichtungen und Kontraste harmonisiert. So kann auch ich wohl manchmal auch RGB Harmonien verwenden :)

  • Color Grading mit Farbharmonien funktioniert allerdings mit Ausmaskieren, Entscheidungen, was ich wie womit einfärbe. Farbharmonien auf LUTs anwenden, halte ich für ein spannendes Experiment. Hier werden aber mehr Bildstimmungen erzeugt. Besser werden Farbharmonien aus drei Farben und vier Farben funktionieren.


    Das werde ich dann auch noch ausarbeiten und hier teilen - aber nicht mehr mit einem so ausführlichen Artikel wie hier :)


    Dann wünsche ich viel Spaß beim ausprobieren.


    grüssli merlYnn

  • Hallo merlYnn,


    WoW, da hast du Dir aber viel Mühe gegeben - herzlichen Dank an dieser Stelle!


    Ich habe mir die LUT schon einmal heruntergeladen und werde mich da mal Stück für Stück durcharbeiten.

    Aktuell muss ich aber erst einmal an einem Programm mit Bildschärfe noch ein wenig arbeiten :-)


    Die Varianten mit dem Goethe-Farbkreis finde ich besonders spannend - die unterschiedlichen Farbkreise habe ich mir vor einer Weile auch schon einmal genauer angesehen.

    Wirklich interessant wie früh man sich hier bereits Gedanken gemacht hat!


    Und auch sehr spannend, dass die unterschiedlichen Farbkreise ähnlich wie auch die Farbräume immer wieder zu Spannungen zwischen den Leuten und zum Teil sogar philosphischen Diskussionen führen ;-)


    VG Michael

  • Hallo Michael,


    klaro - auf Sharpen#4 wird ja schon gewartet :) und man muss auch Dinge zum Abschluss bringen.


    Leider wurde meine Bildreihenfolge ziemlich durcheinandergewürfelt, dass es nicht mehr so schön zum Durchblättern zusammenpasst.


    Bei Farbkreisen sind ja in der Bildbearbeitungs Szene Goethe und RGB aktuell. Die Technik, die Farbharmonien zusammenzustellen ist indes immer gleich, es geht da immer um gleiche Winkelabstände von einer Mitte - oder um 180 Grad bei Komplementärfarben und zweimal Komplementärfarben (also vier Farben).


    Ebenso ist das Farbspektrum selbst wohl auf allen Farbkreisen gleich - nur die Verteilung der Farben ist jeweils anders. Dabei sind immer die GRUNDFARBEN eines Farbkreises bei 0 Grad (immer Rot), 120 Grad und 240 Grad. Je nach den Grundfarben - sind diese Rot, Gelb, Blau, wie im Goethe Farbkreis - oder Rot, Grün, Blau, wie im RGB Farbkreis - ergibt sich daraus eine andere Verteilung des Farbspektrums auf dem Kreis - und andere Farbharmonien.


    Den RGB Farbkreis könne man als technisch bezeichnen: gegenüberliegende Farben löschen sich exact aus.


    Der Goethe Farbkreis ist eine systematische Verteilung des Farbspektrums, vollständig von Itten beschrieben. Hier geht es um künstlerisch gefällige Harmonien, wie Farben optimal nebeneinander wirken und im Bild miteinander kommunizieren. Mit diesem sollte man hauptsächlicvh arbeiten und seine Farben abstimmen.


    Dann gibt es vielleicht noch einen mehr biologischen Farbkreis, von Küppers. Dieser orientiert sich bei den Komplementärfarben am "Nachbild", also wenn wir eine Farbe betrachten, und dann schnell eine weiße Fläche betrachten, dann erscheint die Komplementärfarbe. Die ist aber bei Rot zum Beispiel nicht Grün oder Cyan, sondern etwa Lindgrün. woran liegt das? Klar, unsere Augen funktionieren nach dem RGB Prinzip. Die WEITERLEITUNG ANS GEHIRN geschieht aber, vergleichbar wie bei der Fernsehtechnik, mit den 3 Kanälen Luminanz, Blau Gelb Anteil, Rot-Grün Anteil. Diese Informationen werden vom Gehirn zu Farben verrechnet. Daher ist die Komplementärfarbe, die wir als Nachbild sehen, nicht die exacte physikalische Komplementärfarbe, auch nicht die von Goethe.


    Alle drei Farbkreise haben ihre Berechtigung und lassen sich meiner Meinung nach begründen. Vom Küppers Farbkreis habe ich in der Bildbearbeitung aber noch nie was gehört. Experimentell fände ich das auch mal interessant.


    Besser als diesen Streit um die "Richtigkeit" von Farben finde ich, die WIRKUNGEN dieser unterschiedlichen Farbharmonien herauszustellen und bewußt einzusezten. Provokative, herausstechende Bildaussagen, Werbung, auffällige Logos, würde ich mit RGB Harmonien unterstützen, mehr künstlerisch malerische Bilder, Fotos, Editorial, dann wieder mit Goethe Harmonien.


    Neben dem reinen Hue Wert - diese sollten zuallererst stimmen - haben Farbharmonien aber auch Gewichtungen der einzelnen Farben, Gleichgewichte usw. Gewichtungen ergeben sich aus Sättigung und Farbfläche.


    Interessantes Thema jedenfalls!


    grüssli merlYnn

  • Hallo merlYnn,


    ja, im Moment ist die Zeit da recht begrenzt :-)

    Die Programmierung der Produkte muss da leider den Vorrang haben, obwohl ich gern mehr Zeit für die interessanten Diskussionen hätte.


    Man könnte sich zum Beispiel die Frage stellen wie ein Effekt aussieht, der den Farbkreis beliebig in sich verdrehen kann - also eine Projektion über eine Kurve die den Winkeln 0 bis 360 grad neue Winkel zuweist.


    Der Küppers Farbkreis nimmt die 3 Grundfarben, fügt schwarz und weiß als Farbe hinzu (Helligkeit) und nimmt dann noch die möglichen reinen Mischfarben aus r,g,b -> magenta, cyan, gelb und macht daraus eine 8 Grundfarbenlehre - im Grunde nimmt man also die erste "Mischstufe" der RGB Farben mit hinein.

    Diese 8 Farben sind den erste 8 Farben des C64 übrigens sehr ähnlich.


    Und jetzt geh ich mal lieber wieder an die Arbeit... ;-)


    VG Michael